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Zertifikat entziehen!
Sicherheitskräfte einer FSC-zertifizierten Firma töten Dorfbewohner
Stichwörter: Plantagen Zertifizierung Protest

Jahrelang schon protestieren Anwohner und Unterstützungsorganisationen gegen die massive Ausbreitung von Monokulturplantagen in Brasilien. Demnach liegen vielen Unternehmungen Landrechtskonflikte zugrunde, die ursprüngliche Bevölkerung wird verdrängt oder wo dies nicht gelingt, wenigstens in ihrem wirtschaftlichen Überleben stark eingeschränkt. Dass die Plantagen dann auch noch den regionalen Wasserhaushalt stören und auch zur Grundwasserabsenkung beitragen, sowie als Angriff auf die Biodiversität gelten müssen, hält die Zertifzierungsorganisation FSC (Forest Stewardship Council) nicht davon ab, den Plantagenbetreibern ein Label zu verleihen, welches ökologische und soziale Unbedenklichkeit bescheinigt.

Das FSC-Label könnte bald nicht mehr das Papier wert sein, auf das es gedruckt ist, wenn von der Organisation nicht bald die schlimmsten Zertifikate widerrufen werden. Eines davon hält das Unternehmen Fibria (vormals Aracruz) für seine Eukalyptusplantagen in Bahia, im Süden Brasiliens. Trotz ständiger Proteste seitens der Bevölkerung haben die Plantagen ihr Zertifikat behalten.

Jetzt ist ein Anwohner von den Sicherheitskräften erschossen worden. Weil er angeblich Feuerholz gesammelt hat und die bewaffneten Aufpasser vielleicht ein Zeichen setzen wollten?

Vom FSC selbst ist bisher kein noch keine Stellungnahme verfügbar. Wir unterstützen die Forderung unserer KollegInnen und Kampfgenossen von 'Sócio-Environmental Fórum of the Extreme South of Bahia' und 'Alert against the Green Desert'-Network aus dem folgenden Statement:

Bewaffnete Sicherheitskräfte von Fibria (Aracruz) ermorden Dorfbewohner in Bahia

Mit dieser Erklärung möchten wir unsere große Entrüstung über die Ermordung an dem 24-jährigen Henrique Souza Pereira zum Ausdruck bringen, der am 18. März 2010 getötet wurde. Laut der Presserklärung des Unternehmens Fibira (Fibria, ehemals Aracruz Celulose, Partner Stora Ensos im Veracel Celulose Konzern), hat ein Team von GARRA, dem privaten Sicherheitsdienstes des Unternehmens, auf Henrique geschossen, weil dieser angeblich Holz gestohlen und aggressiv reagiert haben soll, als er dazu aufgefordert wurde, eine Eucalyptusplantage zu verlassen. Der Vater von Henrique, Osvaldo Pereira, hat jedoch in einem Interview mit der Lokalzeitung berichtet, er hätte Henrique auf einem Moped auf dem Heimweg begleitet, als der Zusammenstoß geschah. Bei dem Vorfall haben die Sicherheitskräfte auch den Arm von Henriques Vater gebrochen.

Nachdem sie Henrique angeschossen hatten, verliesen die Sicherheitskräfte das Gebiet und kamen nach erst 40 Minuten in Begleitung einer Ambulanz wieder. Henrique erlag seinen Verletzungen.

Wir möchten Henriques Familie und seiner Gemeinde unsere Solidarität bekunden.

Man muss daran erinnern dass Henrique de Souza Pereira einer von unzähligen Nachbarn der großflächigen Eucalyptusplantagen war, die auf ihren isolierten kleinen Flächen versuchen zu überleben. Ein ähnlicher Mord geschah 2007: damals wurde Antônio Joaquim dos Santos, ein Geraizero (1), durch die Sicherheitskräfte von V&M Florestal ermordet, als er in einer Eucalyptusplantage von V&M Florestal Brennholz sammelte. Es ist beachtenswert, dass beide V&M Florestal genauso wie Fibria, zu der Zeit als diese Vorfälle geschahen, das internationale FSC Zertifikat besaßen (2), welches KonsumentInnen bestätigt, dass ihr Produkt aus einer "sozialverträglichen Forstwirtschaft" kommt.

Was unsere Aufmerksamkeit erregt, sowie unsere Entrüstung verursacht, ist dass erneut ein Anwohner sterben muss, während die Behörden weiterhin die Ausweitung von Eucalyptusplantagen propagieren und mit öffentlichen Mitteln der BNDES (3) finanziell fördern, was bedeutet, dass unverschämterweise öffentliches Geld an transnationale Großkonzerne wie Fibria oder Stora Enso transferiert wird. Gleichzeitig setzen die selben Behörden weder die Agrar-Landreform noch die Demarkierung von Ländereien der Quilombola (4), von Indigenen, von Kleinbauern und der Geraizeira um. Durch dieses Verhalten stillen die Behörden den unbeschränkten Hunger der Unternehmen nach noch mehr Land und Profit. Fibria allein kontrolliert in unserem Land mehr als 1 Million Hektar!

Fibria hinterfragt in der Pressemitteilung über Henriques Tod nicht, warum Familien um zu überleben, (Brenn-)Holz auf dem Gelände des Unternehmens sammeln. Im Gegenteil, unglaublicherweise bestätigt die Firma: "Gleichzeitig, möchte Fibria gegenüber den Behörden ihren Protest über die Zunahme von Holzdiebstahl im Süden von Bahia zum Ausdruck bringen. Dies erhöht das Risiko für Konflikte sowie Verlust von Leben, wie in diesem Fall geschehen. Dies beeinträchtigt nicht nur die Aktivitäten von Fibria, sondern auch von anderen Firmen, welche in dieser Region tätig sind. Maßnahmen um diese illegalen Aktivitäten in den Griff zu bekommen, sind dringend erforderlich, so dass Sicherheitsbedingungen für die Bevölkerung geschaffen werden können, und Rahmenbedingungen eingerichtet werden, die die Aktivitäten der Firmen sowie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region ermöglichen."

Angesichts dessen, was passiert ist, fragt man sich: Was ist diese soziale und wirtschaftliche Entwicklung, die das Leben der Einheimischen zerstört? Welche die Rechte der Gemeinden ignoriert und die Hoffnung der Menschen zerstört? Es ist nicht akzeptabel, dass eine Firma mit solchen Geschäftspraktiken angebliche Nachhaltigkeitszertifikate, wie FSC oder Cerflor, erhalten kann und auch sonst als nachhaltig ausgezeichnet wird.

Anläßlich des speziellen Augenblicks möchten wir auch daran erinnern, dass im äussersten Süden von Bahia und im Norden von Espirito Santo mehrere Einheimische, Landlose und speziell Quilombolas kriminalisiert und verfolgt werden, weil sie angeblich Holz von der Firma gestohlen haben, von Land, welches sich immer in Gemeinschaftsbesitz der Gemeinden befunden hat und welches immer ihren Lebensunterhalt gesichert hat. Am 11. November 2009 hat die Regierung des Bundesstaates Espirito Santo eine große Polizeiaktion in der Quilombola Gemeinde São Domingos durchgeführt. 130 mit Gewehren und Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten, teils zu Pferd und teils von Hunden begleitet, haben 39 Quilombolas festgenommen.

Andererseits sind die Behörden aber nicht in der Lage, durch eine Agrar-Landreform sowie die sofortige Demarkierung das Land der Quilombola, Geraizeiro, der Indigenen und Kleinbauern zu sichern.

Nur eine Rückgabe der Ländereien an die legalen Eigentümer und an diejenigen, die es für ihr Überleben wirklich brauchen, kann die Konflikte beenden.

Zum Schluß fordern wir noch eine gründliche Aufklärung und Bestrafung der Schuldigen, nicht nur des Sicherheitsdienstes GARRA, sondern auch Fibria muss für den bedauernswerten Tod von Henrique de Souza Pereira zur Verantwortung gezogen werden.

'Sócio-Environmental Fórum of the Extreme South of Bahia' und 'Alert against the Green Desert'-Network 23. März 2010

(1) Geraizeiros sind traditionelle Einwohner der Cerrado Region im Norden des Bundesstaates Minas Gerais.
(2) V&M Florestal beschloss daraufhin das FSC Zertifikat nicht aufrecht zu erhalten
(3) BNDES - die brasilianische Nationalbank für soziale und wirtschaftliche Entwicklung
(4) Quilombolas sind die traditionelle Bevölkerung Afro-Brasilianer, welche der Sklaverei entkommen sind und eigenständige Communities aufgebaut haben. Sie haben ein verfassungsgemäßes Recht auf ihr Land.

Übersetzung: Pro REGENWALD, Simone Hörner


weitere Info gibt es auf www.fsc-watch.org


Kommentare

# Elisabeth Richter am 31.03.2010, 12:27

Stop den Regenwaldzerstörungen, in der ganzen Welt übrigens, auch hier in Europa wird munter "kultiviert"!
Was fehlt, ist ein ökonomischer Ansatz für erhaltenen u/o neu angelegten Naturwald, z.B. Ökoprämien, Klimaprämien usw. Dann würde sich das Bild sofort drehen - auch für die betroffene Bevölkerung!

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