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"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft -

und die ist irgendeinem Ökosystem irgendwo auf diesem Planeten mit Gewalt entrissen und mit großem Verlust in das Rind, das Schwein oder das Hähnchen gestopft worden,“
hätte die CMA ehrlichkeitshalber dazusagen müssen *)



*) Mit dem Slogan „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!“ erzog die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) im Auftrag der Bundesregierung ab 1967 die westdeutschen Bürger zum täglichen Verzehr von Fleisch und Wurst. Er symbolisierte die neue Wertigkeit des Fleischkonsums in den Jahren des Wirtschaftswunders – einen Zusammenhang zu Umweltzerstörung und Resourcenverschwendung durch diese Fleischproduktion wollte man nicht herstellen. Die CMA ist mittlerweile abgewickelt – mit diesem Infoblatt dokumentieren nun wir diesen Zusammenhang.


Die Fleischproduktion ist in Konflikt mit...
... der Artenvielfalt

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Regenwälder sind neben den Weltmeeren die artenreichsten Ökosyteme überhaupt. Ihre Abholzung hat lebensbedrohende Konsequenzen für viele der Millionen dort beheimateten Tierund Pflanzenarten.

Die industrielle Landwirtschaft ist durch Entwaldung, Verschmutzung, Überfischung, die Einführung fremder Arten und ihrer Verantwortung am Klimawandel eine der treibenden Kräfte des Verlustes an Artenvielfalt.

Laut der FAO macht Nutzvieh mittlerweile 20 Prozent der an Land lebenden Biomasse aus und besetzt 30 Prozent der globalen Landfläche, wobei – schlimmer noch – 33 Prozent der fruchtbaren Böden überhaupt zur Futterproduktion für die Tierzucht in Anspruch genommen werden. Die meisten der auf der Roten Liste stehenden bedrohten Arten sind dadurch in Gefahr, dass ihr Lebensraum der Landwirtschaft zum Opfer fällt.


... dem Klima

Die industrielle Landwirtschaft ist für eine enorm hohe Klimabelastung verantwortlich. In Kohlendioxidäquivalente umgerechnet, sind es rund 18 Prozent der weltweiten Emissionen - mehr als etwa der gesamte Transportsektor verantwortet. 9 Prozent sind reine Kohlendioxidemissionen, der Rest errechnet sich aus der Freisetzung der klimawirksamen Stickoxide und von Methan. Die Kohlendioxidfreisetzung geschieht im wesentlichen bei der Umwandlung von Land – insbesondere Wald – in landwirtschaftliche Nutzflächen.

Außerdem emittiert die industrielle Landwirtschaft über die Verdauung der Wiederkäuer 37 Prozent des anthropogenen Methans. Methanmoleküle sind 23-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Hinzu kommt, dass die industrielle Landwirtschaft 65 Prozent des anthropogenen Distickstoffoxid (Lachgas) ausstößt und mit all diesen Emissionen maßgeblich den Klimawandel vorantreibt.




... einer sparsamen Ressourcennutzung

Mit wachsenden Bevölkerungszahlen und steigenden materiellen Ansprüchen insbesondere in bisher ‚unterentwickelten‘ Regionen, wird eine sparsame Nutzung der Rohstoffe immer wichtiger. Fleisch ist genau das Gegenteil von sparsamer Rohstoffnutzung. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7-16 kg Getreide oder Sojabohnen. Viele kritisieren das als effektive Form der Nahrungsmittelvernichtung.

In den USA fressen die Schlachttiere 80 Prozent der Getreideernte, rund 90 Prozent der global produzierten Sojabohnen dienen als Futtermittel und etwa ein Drittel der weltweiten Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert, die es mit einem schlechten Wirkungsgrad unter großem Verlust in, an der pflanzlichen Ausgangsmenge gemessen, wenig Fleisch umwandeln.

Oder andersherum betrachtet: Auf der Fläche, die man benötigt, um 50 kg Rindfleisch zu produzieren (ca 16.500 m2), könnte man 4.000 kg Apfel oder 6.000 kg Karotten erzeugen.


... dem Wasserhaushalt

Die industrielle Landwirtschaft ist einer der größten Wasserverbraucher der Erde. Sie ist verantwortlich für über 8 Prozent des globalen Wasserverbrauchs – das Wasser wird überwiegend zur Bewässerung von Futterpflanzen verwendet.

Verschärft wird die Problematik – die Vereinten Nationen rechnen damit, dass 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung von Wasserknappheit bedroht sind – durch den Handel mit “virtuellem Wasser”. Virtuelles Wasser ist die Menge an Wasser, die benötigt wird, um ein bestimmtes Produkt herzustellen. Für ein Kilogramm Sojabohnen werden 1.800 Liter Wasser benötigt und in einem Kilogramm Rindfleisch ‘stecken‘ gar über 15.000 Liter Wasser.

Viele Länder exportieren mit ihren Nahrungsmitteln oder anderen Produkten nicht sichtbares Wasser, das sie eigentlich selbst dringend benötigen. Während Länder wie Deutschland deutlich mehr Wasser importieren als sie exportieren, ist es in wasserarmen Ländern wie Kasachstan und Indien gerade anders herum.

Durch den Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden ist die Landwirtschaft eine der größten Quellen der Wasserverschmutzung. Alleine in den USA werden 37 Prozent der verwendeten Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt. Weitere Verschmutzungsquellen aus der Landwirtschaft sind tierische Abfälle, Antibiotika und Hormone sowie die Sedimente erodierter Flächen.




... den Menschen

Die industrielle Landwirtschaft geht auch mit Menschen nicht immer zimperlich um. Die Vertreibung indigener und lokaler, kleinbäuerlicher Bevölkerung von ihrem angestammten Land zugunsten riesiger Weide- und Sojaflächen wird auch heute noch häufig praktiziert. In einigen Fällen geschieht die illegale Landnahme mit gewaltsamer Unterstützung der Polizei oder Paramilitärs. Alleine in Paraguay sind seit 1990 über 100.000 Kleinbauern von Sojafarmern von ihrem Land vertrieben worden. Die Vertreibung bedeutet für diese Menschen den Entzug ihrer Lebensgrundlagen und zwingt sie entweder in die Städte oder zu einem Dasein am Rande der Sojamonokulturen – das Ergebnis ist in jedem Fall ihre Verarmung und Hunger. Am Rande der großen Sojabetriebe sind die Kleinbauern und Indigenen durch Umweltverschmutzung und den Einsatz von Pestiziden bedroht. Die Sojafarmer Paraguays versprühen auf ihren Feldern jährlich rund 23 Mio. Liter Pestizide, die von der WHO (Weltge sundheits organisation) als “extrem gesundheitsgefährdend” eingestuft sind.

Wie in Nordamerika verbreitet sich auch in Südamerika der Anbau gentechnisch veränderten, d.h. herbizidtoleranten, Sojas immer mehr. In Argentinien wird auf rund 100 Prozent der Sojafläche gentechnisch verändertes Soja angebaut, in Paraguay auf über 90 Prozent und in Brasilien auf rund zwei Dritteln der Anbaufläche.

In der EU ist der Anbau gentechnisch veränderten Sojas noch nicht erlaubt, allerdings stammt das in der Viehzucht verwendete Futtermittel überwiegend aus Südamerika.




Fleisch
eine delikate Angelegenheit

Der durchschnittliche Fleischverbrauch in Deutschland liegt bei 88,5 Kilogramm pro Kopf im Jahr. Über ein Menschenleben isst der Deutsche im Durchschnitt 6,6 Tonnen Fleisch – aufgeschlüsselt können das sein: 4 Rinder bzw. Kälber, 4 Schafe oder Ziegen, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und gut 850 Hühner. Die meisten dieser Tiere stammen nicht aus kleinbäuerlichen Betrieben oder der freien Wildbahn, sondern aus ‚industrieller‘ Fleischproduktion.

Die globale Fleischproduktion nimmt zu. Während 1950 ‚nur‘ 44 Millionen Tonnen produziert wurden, waren es 1990 schon 170 Mio. Tonnen und 2005 knapp über 265 Mio. Tonnen – Tendenz weiter steigend.

Es gibt viele Gründe, diesen wachsenden Fleischhunger zu bekämpfen – denn sowohl die Produktion als auch der Konsum von Fleisch haben enorme Nebenwirkungen. Viele Menschen verschmähen Fleisch aus Mitleid mit den Tieren - sei es wegen der Missstände schon während ihrer Mastzeit und den Transporten zum Schlachthof oder dafür, dass sie für unser Schnitzel ihr Leben lassen müssen. Fleisch ist zudem ein Genussmittel und für den Großteil der heutigen Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Gicht, Osteoporose, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mitverantwortlich. Die intensive Fleischproduktion in Deutschland schädigt Grund- und Oberflächenwasser, beeinträchtigt Böden und die Ausdünstungen von Gülle und Mist sind verantwortlich für die Freisetzung von Stickstoffverbindungen, die das Waldsterben fördern. Die Fleischproduktion ist verschwenderisch: es braucht sehr viel pflanzlichen Input für relativ wenig fleischliches Endprodukt. Dafür werden große Flächen benötigt – die bevorzugt in tropischen Regionen vorhanden sind und genutzt werden.

Während billiges Fleisch und billige Milchprodukte in Europa und Amerika mittlerweile auf den täglichen Speiseplan gehören, wird in Südamerika der wahre Preis dafür gezahlt. Viele dieser billigen Produkte bei uns sind das Ergebnis grober Menschenrechtsverletzungen und der Zerstörung der Umwelt anderswo.




Die Zerstörung des Regenwaldes für die
Fleischproduktion (Rinder)

Die Hauptursache für die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien ist die Rinderzucht. Alleine in den letzten zehn Jahren (2000-2009) wurde eine Fläche von über 160.000 km² abgeholzt. Zu über 70 Prozent geht diese Zerstörung auf die Schaffung neuer Weideflächen zurück. Entgegen aller Erklärungen, den Wald retten zu wollen, fördert der Staat diese Entwicklung.

Während es früher direkt Subventionen für die Umwandlung gab, treiben heutzutage neue Infrastrukturprojekte und Straßenbau die Zerstörung voran. Der Regenwald wird für Farmer und Rinderzüchter zugänglich gemacht, die so immer leichter in die Waldgebiete vordringen und sich im Amazonasgebiet ansiedeln. Das Land ist einfach und billig anzueignen – oftmals geschieht dies auch illegal.

Auf diese Weise wurde Brasilien im Laufe der Jahre zum mittlerweile größten Rindfleischexporteur der Welt und hält mit rund 200 Millionen Rindern die zweitgrößte Population nach Indien. Der überwiegende Teil des in Brasilien produzierten Fleisches wird nach Nordamerika exportiert, aber auch nach Deutschland gelangen rund 200.000 t Fleischwaren jährlich




Die Zerstörung des Regenwaldes für die
Futtermittelproduktion (Soja)

Die zweitwichtigste Ursache der Waldzerstörung in Brasilien ist der großflächige Anbau von Soja als Futtermittel. Seit der BSEKrise und dem folgenden Verbot der Fütterung von Tiermehl ist Soja die erste Wahl als eiweißreiches Futtermittel in der landwirtschaftlichen Tierhaltung Europas. Über 90 Prozent des weltweit angebauten Sojas werden inzwischen als Futtermittel verwendet.

Zwar ist die USA nach wie vor der größte Sojaproduzent der Welt, aber Brasilien ist auf dem Weg, der größte Sojaexporteur zu werden. Die Staaten Südamerikas – allen voran Brasilien, Argentinien und Paraguay – produzieren über 50 Prozent des Sojas der Welt. In Paraguay wird auf 2,6 Mio. Hektar Soja angebaut, in Brasilien gar auf weit über 20 Mio. Hektar.

Für die Entwaldung in Brasilien kann man Soja allerdings nur indirekt verantwortlich machen. Oft werden für neue Anbauflächen nicht eigens Wälder abgeholzt, sondern Savannen und bereits gerodete Flächen genutzt. Allerdings werden die Kleinbauern, die diese Flächen bis dahin bewirtschafteten, von ihrem Land vertrieben und auf der Suche nach neuem Land in den Wald abgedrängt, den sie dann roden.

Die Sojaproduktion zerstört Wald nicht nur durch die benötigte Anbaufläche. Ohne den gewaltigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kann das Soja nicht zu den Exporthäfen transportiert werden. Es werden massiv Straßen gebaut, Flüsse schiffbar gemacht und Häfen angelegt. Diese Eingriffe belasten einerseits die Umwelt direkt und öffnen die Regionen zudem noch für Neusiedler und Holzdiebe, etc.


aktiv werden, Wald und Klima retten

Fleischverzehr kostet in der Regel Regenwald. Wir bürden dem Klima eine Zusatzbelastung auf und nehmen Wasserverschmutzung sowie das Leid der Tiere in Kauf. Fleisch steht beispielhaft für andere Produkte: Jede/r Einzelne kann zur Entlastung beitragen und zum regenwaldfreundlichen Menschen werden. Unsere Tipps sind:

  • Weniger Fleisch konsumieren! Die Devise lautet: einmal in der Woche gut, statt täglich billig.
  • Besseres Fleisch kaufen. Qualitativ hochwertiges Fleisch von Biohöfen ist garantiert regenwaldzerstörungsfrei und verursacht geringere Klimabelastung – der höhere Preis ist gerechtfertigt und ermöglicht umweltfreundliche Produktion.
  • Den Verbrauch an Rohstoffen minimieren - das beinhaltet Holz, Papier, fossile Brennstoffe, Lebensmittel, Energie.
Darüber hinaus gibt es viele Aktionen, die unsere Arbeit stärken. Wem es ernst ist mit Wald- und Klimaschutz, der sollte nicht zögern - bei Zweifeln kann man uns gerne fragen.
  • Spenden
  • Fördermitglied bei Pro REGENWALD werden
  • andere zum Mitmachen anregen
  • selbst ehrenamtlich mitarbeiten
  • Emailaktionen mitmachen
  • Protest-Postkarten versenden
  • Aktionstage und - wochen mitorganisieren
  • Ausstellungen ausleihen und organisieren
  • Vorträge anbieten bzw für uns organisieren
  • Seminare besuchen, sich weiterbilden
  • eine eigene Aktionsgruppe gründen und loslegen
  • Anteilscheine für Baumpflanzprojekte verschenken
  • etwas hinterlassen, Pro REGENWALD in einem Vermächtnis begünstigen
  • Papiereinsparen propagieren
  • Bäume pflanzen (lassen)