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Wir finden Greenwash gut
Fastfoodkette wird für Nachhaltigkeitsgerede belächelt
Stichwörter: Greenwash Kritik

Letzte Woche hat sich eine der bekannteren Fastfood-Ketten (deren Namen wir hier nicht nennen wollen) mit einer raffinierten Ankündigung in die Schlagzeilen geschummelt: Sie will ihr Logo begrünen und so künftig zum Ausdruck bringen, dass ihr die Umwelt nicht am Arsch vorbei geht.

Toll.

Immerhin erklärt die Fastfood-Kette, dass in ihrer Weltsicht eine Umwelt existiert (irgendwo müssen sie ihren Plastikmüll ja ablegen können) - andere Unternehmen tun so, als ob es überhaupt keine Umwelt gäbe.

Im Namen der Umwelt sollten wir der Fastfood-Kette danken.

Manche nennen es Greenwashing, was die Fastfood-Kette uns jetzt serviert. Wäre es, wenn die Begrünung den Kunden der Fressstätte etwas bedeuten würde. Aber aus eigenen Umfragen kann ich sagen: Denen geht das vollkommen am Arsch vorbei. Dem Kunde an sich ist egal, ob das große M auf rotem oder auf grünem Hintergrund in die Nächte strahlt.

Nicht so gut.

Greenpeace fordert, dass die Fastfood-Kette - wenn schon grün daherreden - sich auch grün verhalten sollte, und zwar flächendeckend. Über die unverändert schlechte Esskultur im Angebot der Kette will Greenpeace sich nicht auslassen. Ein Interview mit Greenpeacer Wolfgang Lohbeck aus dem Deutschlandradio stellt das alles etwas differenzierter dar ... weiterlesen: McDonald's grün gewendet

Markus Mechnich hat einen Kommentar geschrieben, dem wir dann nichts mehr hinzufügen können ... ausser, dass wenn alle Firmen in naher Zukunft greengewashed sind, sich die besseren einfallen lassen werden, wie sie noch grüner rüberkommen können und sozusagen ein Wettlauf um das grünste Grün starten wird. Und davon wird die Umwelt dann hoffentlich richtig profitieren.

Per Saldo

McDonald's - Grün? Supergrün!

von Markus Mechnich

McDonald's macht auf Grün. Das Firmenlogo wird künftig einen grünen Hintergrund haben - für ein umweltfreundlicheres Image. Genialer Marketing-Streich oder Rohrkrepierer? Den Kunden ist es egal.

Werbemenschen ticken manchmal ganz einfach. Sie wollen ein grünes Image? Kein Problem, wir machen Ihr Logo grün und schon wird man Ihr Unternehmen in der Öko-Ecke verorten? So ähnlich könnte man sich das Gespräch zwischen der Fast-Food-Kette McDonald's und ihrer Werbeagentur vorstellen. Im Ergebnis hat es dazu geführt, dass das goldene M der Marke in Kürze auf grünem Hintergrund zu sehen ist. Wow!

Bei solchen Marketing-Aktionen stellt sich manchmal die Frage, für wie einfältig solche Werber eigentlich die Kundschaft halten. Dieser Farbwechsel sei auch "als Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt" zu werten, sagte der stellvertretende Deutschlandchef Holger Beeck der "Financial Times Deutschland". Offensichtlich glaubt man in der Firmenzentrale, dass sich mit dem Farbwechsel tatsächlich das Image ändert.

Tonnen von Müll

Mit der Realität hat das wenig zu tun. Wer sich einmal in der Umgebung der Schnellrestaurants umgesehen hat, der findet überall Plastikverpackungen, Kunststoffbecher und Speisereste. Erst Mitte Oktober beklagten Anwohner in der Umgebung eines Standorts in Syke über die Reste der alltäglichen Fast-Food-Schlacht in ihren Vorgärten und neben jeder Parkbank. Hinzu kommen die Methangase der Millionen von Rindern, die Ressourcen für die Herstellung der Verpackungen und nicht zuletzt der Strom für die gigantischen Werbemasten, die überall in Deutschland Vorstädte und Autobahnen überstrahlen.

Schon seit längerem versuchen die Fast-Food-Strategen McDonald's aus der Fetttrief-Ecke herauszuholen. McCafé war der letzte Versuch. Supermodel Heidi Klum sollte den Kunden die neuen, kalorienärmeren Produkte Salat und Wraps nahe bringen. Schwer zu glauben, dass jemand mit den Gardemaßen von Deutschlands oberster Top-Model-Beauftragten jemals ein McDonalds-Restaurant von innen gesehen hat. So richtig funktioniert hat das übrigens auch nicht, denn der überwiegende Teil der Ware, die Tag und Nacht über metallenen Tresen wandert, ist nach wie vor der Burger. Tendenz steigend.

Mehr Armut bedeutet mehr Fast-Food

Eine US-Studie hat im Sommer gar herausgefunden, dass gerade in Krisenzeiten der Umsatz von McDonald's und anderen Fast-Food-Ketten sogar steigt. Die Menschen versuchen zu sparen und tragen ihr Geld lieber in Schnellrestaurants als sich im sonstigen Konsum zu beschränken. Das schlägt sich direkt auf die Gesundheit nieder. Eine weitere Studie findet heraus, dass mit einem zehnprozentigen Anstieg der Armut ein sechsprozentiger Anstieg der Fettsucht einhergeht.

Und das ist erst der Anfang. Künftige Generationen wachsen mit dem goldenen M auf. Geradezu alarmierend ist eine Umfrage in Deutschland vor wenigen Tagen: McDonald's ist mit 83 Prozent die mit Abstand beliebteste Marke unter Jugendlichen. Weit vor Nintendo, Coca-Cola und Playstation. Kinder erkennen das Logo des Burger-Riesen noch vor Buchstaben und Zahlen.

Unternehmen mit Teflon-Effekt

Stellt sich die Frage, warum man das Logo überhaupt antastet. Als Marke gibt es weltweit nichts Erfolgreicheres als McDonald's. Sie ist mit Abstand das wertvollste Firmenzeichen überhaupt. Es gibt kein Land der Welt, in dem man den Burger-Produzenten nicht kennt. Warum also ändern, was offensichtlich funktioniert? Die Gründe dafür werden wohl vorerst das Geheimnis des obersten Managements bleiben.

Es ist vermutlich am Ende auch egal, ob die Grünfärbung wirklich beim Kunden ankommt. Die Leute gehen zu den Burgerbrätern, egal ob sie die Umwelt verschmutzen, ungesundes Essen verkaufen, mangelnde Hygiene in ihren Restaurants dulden oder ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen und drangsalieren. Keiner diese Skandale hat dem Burger-Riesen wirklich geschadet. Nicht Günter Wallraffs Ausflug zu McDonald's in seinem Buch "Ganz unten" in den achtziger Jahren und auch nicht der durchaus eindrucksvolle Film "Super Size Me" von Morgan Spurlock von 2004. Der Kunde ist König, und am Ende zählt nur der wirtschaftliche Erfolg. Und der ist schließlich unbestreitbar.

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