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Gitarren für die Rainforest Alliance
Zertifizierer tanzt dem FSC auf der Nase rum
Stichwörter: Raubbau Tropenholz Zertifizierung

legal oder illegal?Seit ein paar Wochen hat der FSC (Forest Stewardship Council) den Blues - oder sollte ihn haben. Denn Rainforest Alliance Smartwood, einem der größeren FSC-Zertifizierer, wird Schritt für Schritt Inkompetenz und zweifelhaften Arbeitsweise nachgewiesen - offensichtlich sind Dinge geschehen, die den Ruf eines Zertifizierungssystems nachhaltig schädigen. Wenn der FSC die Akkreditierung des Rainforest Alliance Smartwood nicht bald suspendiert, dürfte der letzte Rest Glaubwürdigkeit des FSC verloren gehen.

Man muss beim Blues bleiben - oder besser beim Hersteller der Gitarren dazu - wenn man sich in die Einzelheiten dieser 'ich-habe-zertifiziert-aber-kann-für-nix-garantieren'-Geschichte hineinliest. Gibson, der Gitarrenhersteller unterstützt seit Jahren die Rainforest Alliance - die den Zertifizierer Smartwood als Projekt auf den Weg gebracht hat - finanziell, gibt hochpreisige Gitarren als 'Geschenk' obendrein und entsendet seinen eigenen Chef in den Vorstand der Rainforest Alliance. Darüber hinaus vergab Gibson einen Beratungsauftrag zur Holzbeschaffung an die Rainforest Alliance. Die jährliche Unterstützung soll gut 300.000 US Dollar betragen haben.

Eine solche Unterstützung durch ein florierendes Wirtschaftsunternehmen würde man jeder Umweltorganisation wünschen - dagegen kann man nichts einwenden. Im Gegenzug zertifizieren geht natürlich nicht, aber genau das hat Smartwood getan. Offensichtlich sind die Beteiligten über Jahre nicht auf den Gedanken gekommen, dass ihr Geklüngel einen Interessenskonflikt darstellen könnte. Die Alarmanlagen sind erst losgegangen, als im August Beamte der US Fish and Wildlife-Behörde (USFW) wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Bestimmungen des Lacey Acts bei Gibson eine Razzia durchführten. Das Gesetz verbietet US-amerikanischen Unternehmen den Import von Holz aus illegalen Quellen - da war es dann schon zu spät. Es wird noch ermittelt. Aber will man so einen Zertifizierer länger im Geschäft sehen?

Folgend dokumentieren wir einen Kommentar von FSC-Watch, der angeregt durch einen Artikel im The Tennessean die Aufhebung der Smartwood-Akkreditierung fordert. Beide Beiträge sind von Pro REGENWALD übersetzt.

Das Fiasko um Gibson Guitars wirft neue Fragen zur Integrität der Rainforest Alliance auf

Kommentar FSC-Watch
Posted by FSC-Watch on 05 October 2011, 15:00

Die Razzia bei Gibson Guitars in Tennessee im August durch Beamte der US Fish and Wildlife-Behörde (USFW) wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Bestimmungen des Lacey Acts, der US-amerikanischen Unternehmen den Import von Holz aus illegalen Quellen verbietet, hat wieder einmal ein schlechtes Licht auf das FSC-System geworfen, insbesondere jedoch auf die Rainforest Alliance, deren SmartWood-System der produktivste Aussteller von FSC-Zertifikaten ist. Ein am 2. Oktober in der Zeitung “Tennessean” veröffentlichter Artikel, hat neue Enthüllungen über die Beziehung zwischen Gibson und der Rainforest Alliance enthüllt, welche die Alarmglocken hinsichtlich der “Unabhängigkeit” des Zertifizierers läuten lässt.

Die Razzia im August war das zweite Mal, dass die USFW bei Gibson angerückt ist, nachdem bereits im Jahr 2009 bei einer Razzia Unternehmensmaterialien beschlagnahmt worden waren – obwohl es bis jetzt noch keine Strafverfolgungen gibt. Doch was auch immer das Ergebnis der neuen Untersuchung des USFW über den möglichen Import illegal gehandelten Holzes durch Gibson sein wird, eines der grundlegenden Probleme scheint das Vertrauen des Unternehmens in die FSC-Zertifizierung gewesen zu sein. Gibson zufolge stammt “das Holz, das die Regierung am 24. August beschlagnahmte, von einem durch den Forest Stewartship Council zertifizierten Lieferanten und ist als FSC Controlled ausgezeichnet, was bedeutet, dass das Holz den Standards des Forest Stewartship Councils entspricht... Die FSC Controlled Wood Standards fordern u. a., dass das Holz nicht illegal geschlagen und keine traditionellen und Bürgerrechte verletzt”. Aber wie fsc-watch.org seit fünf Jahren betont, ist das Problem mit FSC “Controlled Wood”, dass es gegenwärtig eben keinerlei unabhängig kontrollierten Überprüfung oder Verifizierung des Standards gibt.

Die “Anforderung” des FSC, dass Controlled Wood nicht aus illegalen oder anderweitig inakzeptablen Quellen stammt, wird nur insoweit durchgesetzt, als von Zertifizierern gefordert wird, eine “Risikobewertung” durchzuführen, ob illegal geschlagenes Holz in eine Lieferkette geraten kann, in der anderes, vollständig zertifiziertes Holz gehandelt wird. Einige der von FSC-Watch.org untersuchten Controlled Wood Risikobewertungen sind in ihrer Oberflächlichkeit, dem Mangel an Expertenwissen über die lokalen Umstände geradezu lächerlich und greifen noch nicht einmal auf publizierte Informationen über konkrete Beweise für Gesetzwidrigkeiten oder Landkonflikte zurück. Sie sind anfällig für äußerst subjektive Bewertungen darüber, was ein hohes, mittleres oder niedriges Risiko ist. Sie sind, trotz aller Absichten und Ziele, ein nutzloses Mittel, um die Legalität bestimmter Holzlieferungen oder Lieferketten zu garantieren.

Zudem hat FSC-Watch wiederholt die Zuverlässigkeit der Rainforest Alliance, die für die Controlled Wood-Zertifikate verantwortlich gewesen ist, auf die sich Gibson verlassen hat, hinsichtlich der Bewertung illegaler Aktivitäten in Frage gestellt. Vor dem Hintergrund der ständig zunehmenden Liste von Fälle, bei denen sich sich im Nachhinein herausstellte, dass FSC-zertifiziertes Holz aus illegalen Quellen stammte, haben wir vor drei Jahren schon darauf hingewiesen, dass US-amerikanische Käufer und Nutzer von Holz davon Abstand nehmen sollten sich einfach nur auf das FSC-Siegel zu verlassen, wenn es um die Einhaltung des Lacey Acts geht.

Aber ebenso wie diese grundlegenden Probleme hat das Gibson Guitar-Fiasko neue Informationen über die Beziehung des Unternehmens und der Rainforest Alliance enthüllt. Die erste Razzia bei Gibson im Jahr 2009 machte eine größere Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass der Vorstandsvorsitzender von Gibson, Henry Juszkiewicz, auch Mitglied des Vorstandes der Rainforest Alliance war. Kurz nach der Razzia, kündigte die Alliance an, dass Juszkiewicz von seinem Vorstandsposten „beurlaubt“ sei, bis die Untersuchungen der USFW abgeschlossen sein würden – obwohl sie nicht thematisierte, ob es für den CEO eines der Unternehmen, die sie “unabhängig” zertifizieren soll, überhaupt angemessen ist, auch in ihrem eigenen Vorstand zu sitzen.

Der Artikel des “Tennessean” enthüllt nun, dass die Rainforest Alliance seit 2006 auch eine Reihe von “Geschenken” in bar und als Spenden in Form teurer Gitarren von Gibson angenommen hat – mit einem geschätzten Wert zwischen 315.000$ und 390.000$ pro Jahr. Die Alliance sagt, dass sie solche Geschenke nicht mehr annehmen werde, und dem Artikel zufolge sagt ihr Vizepräsident Richard Donovan, dass ihr FSC Zertifikationsgeschäft (SmartWood) vor unangemessenem Einfluss durch Geschenke für die Organisation im Allgemeinen “geschützt” werde. Es ist allerdings überraschend, dass die Alliance nicht bedacht zu haben scheint, dass die Empfindung eines möglichen Interessenkonfliktes die Glaubwürdigkeit sowohl ihres eigenen Zertifikationssystems als auch des FSC-Systems im Allgemeinen untergraben könnte. Die im Jahresbericht der Alliance von 2010 aufgeführten Finanzen deuten darauf hin, dass der berichtete Wert von Gibsons “Geschenken“ an die Alliance fast den gesamten jährlichen Finanzüberschuss ausgemacht hat.

Ebenso wie die fragwürdige Praxis der Rainforest Alliance, wertvolle Geschenke von Unternehmen anzunehmen, die sie angeblich unabhängig zertifiziert, enthüllte der “Tennessean” auch, dass die Rainforest Alliance von Gibson bezahlt worden ist, um es bei seiner Holzbeschaffung zu “beraten”. Dem Artikel zufolge empfing die Alliance im Jahr 2011 150.000$ an “Aufwendungen aufgrund der Beratung zu nachhaltiger Holzbeschaffung”. Mit anderen Worten: die Alliance hat für Gibson Beratungsleistungen erbracht und das Unternehmen gleichzeitig zertifiziert. Glaubwürdige Zertifikationssysteme verbieten die gleichzeitige Bereitstellung von Beratungsleistungen und “unabhängige” Zertifizierung desselben Unternehmens, da dies einen ernsthaften Interessenkonflikt darstellen kann.

Im folgenden Artikel erklärt Donovan, dass die Alliance Gibson dazu aufgefordert hätte, “wesentliche Korrekturmaßnahmen” vorzunehmen, um die FSC-Akkreditierung zu behalten, nach den, wie er es nennt, falschen Darstellungen durch Gibsons CEO Juszkiewicz, welche das Ausmaß der Beratung und Kontrolle durch den FSC über das in der Razzia im August beschlagnahmte Holz übertrieben dargestellt hatten. Gibson mag sich wundern, wie es kommt, dass es nach all den Geschenken an die Alliance, den Zertifizierungs- und Beratungsgebühren und dem Sitz im Vorstand der Alliance die Natur der ‚Dienstleistung‘ falsch verstanden zu haben scheint, die dem Unternehmen die ihm verliehenen FSC-Zertifikate bot. Andere Unternehmen, die für die Zertifikate der Alliance oder ihre Beratung bezahlen, werden sich zweifellos ähnliche Fragen über die Zuverlässigkeit und die Qualität der Leistung stellen, die sie empfangen.

Der Fall hat es zu einiger Berühmtheit gebracht, da das Unternehmen selbst und republikanische Politiker behaupten, die Razzien einen ernsthaften “staatlichen Übergriff” darstellten. Doch inmitten der politischen Schlammschlacht sollten die wichtigsten Lehren für jeden, der sich für die Zukunft der Wälder dieser Erde und insbesondere für unabhängige Waldzertifizierung interessiert, nicht verloren gehen.

Der FSC International wurde über die neuesten Enthüllungen der Beziehung zwischen der Rainforest Alliance und Gibson Guitars informiert. Es scheint, dass es kaum eine andere Wahl hat, als die Akkreditierung der Rainforest Alliance Smartwood als FSC-Zertifizierer, vorbehaltlich weiterer Untersuchungen, sofort auszusetzen. Alles weniger streng als das würde signalisieren, dass der FSC unfähig ist, sogar das unangemessenste Verhalten der Zertifizierungsorganisationen, die er regulieren sollte, zu sanktionieren. Es ist nicht bekannt, ob die Rainforest Alliance Geschenke auch von anderen Unternehmen, die sie zertifiziert, angenommen hat. Der FSC wird zu bewerten haben, ob sein eigener Ruf durch die weitere Zusammenarbeit mit Rainforest Alliance Smartwood beschädigt wird.

Das FSC-Sekretariat wird ebenfalls schnell handeln müssen, um den Schaden, den diese Affäre der eigenen Glaubwürdigkeit zufügt, zu minimieren, insbesondere innerhalb des amerikanischen Holzhandels. Ein erster Schritt wäre es, die Controlled Wood-Politik sofort zu beenden – was zumindest das Risiko mindern würde, dass noch weitere USFW-Razzien in FSC-zertifizierten Unternehmen folgen könnten.

Übersetzung: Pro REGENWALD, Norbert Krull




Wertvolle Hölzer bringen Gitarrenbauer in die Zwickmühle:
Der Gibson-Fall misst satten Klang an ökologischen Anliegen

NASHVILLE, Tennessee – Vor zwei Wochen sagte Gibson Guitar plötzlich die Pläne für das ab, was eine der bedeutendsten geschäftlichen Ankündigungen werden sollte: der Start einer Partnerschaft mit den Fidschiinseln, mit dem Zweck, exklusiver Mahagoniabnehmer der Inselnation zu werden, um damit die Spitzengitarrren des Unternehmens aus Nashville herzustellen .

Gibsons Geschäftsführer Henry Juszkiewicz und seine Zulieferer hatten Monate daran gearbeitet, den Deal an Land zu ziehen. Als Zeichen des guten Willens überreichten sie Premierminister Frank Bainimarama letzten Sommer eine Gitarre im Wert von 5.000 US-Dollar.

Doch die Reise von Fidschis Premier nach Nashville kam nicht zustande, die Bekanntmachung wurde zurückgezogen und eine eilige Erklärung von Gibson führte aus, dass die Verhandlungen noch andauern.

Das Hin und Her zwischen Gibson und Bainimarama – ein Militärmachthaber, der Menschenrechtsorganisationen zufolge die Kontrolle über viele der Ressourcen der Insel übernommen hat und freie Wahlen seit einem Putsch im Jahr 2006 verweigert – zeigen die Ungewissheiten auf, denen Gitarrenbauer wie Gibson gegenüberstehen.

Mit dem weltweiten Schwinden von Regenwaldflächen, strengeren US-amerikanischen und internationalen Gesetzen und der Ablehnung der Konsumenten gegenüber neuen Gitarrenmodellen aus alternativen Materialien, waren Gibson und andere Gitarrenhersteller gezwungen, die ganze Welt kreuz und quer nach neuen Quellen für seltene Klanghölzer zu durchsuchen – Mahagoni, Palisander und Ebenholz von 200 und 300 Jahre alten Bäumen – um den satten Klang zu liefern, den Musikerinnen und Musiker schätzen.

“Ein Musiker kann den Unterschied hören, wenn er auf einer Gitarre spielt, die aus einem bestimmten Holz gefertigt ist,” sagte Juszkiewicz. “Das sind die Materialien, die unsere Kunden schätzen und erwarten.”

Wegen seiner Anstrengungen geriet Gibson sowohl mit Umweltschützern als auch mit Bundesvollzugsbeamten in Konflikt. Nachdem zwei getrennte Razzien bei dem Unternehmen durchgeführt worden sind - die eine am 24. August und die andere im Herbst 2009 – prüft eine Bundesuntersuchung weiterhin, ob Gibson durch seine Praktiken des Holzimports Umweltgesetze missachtet hat.

Die Rechtsfälle, die sich zu einem Aufsehen erregenden Prozess entwickelt haben, haben Kongressführer von Tennessee, Musikern und anderen die behaupten die Razzien der Regierung würden amerikanische Arbeitsplätze gefährden, Umweltschützern die um die Zukunftsfähigkeit der Regenwälder besorgt sind, gegenüber gestellt.

Dieser Fall trug auch dazu bei, Gibsons finanzielle Beziehungen zu der internationalen Kontrollgruppe genauer zu beleuchten, die ihre Holzlieferungen, nach der Ernte als zulässig für die Lieferung akkreditierte. Die Gruppe – die Rainforest Alliance – hat Gibson in Form des weithin anerkannten FSC-Zertifikats regelmäßig gute Noten für seine Umweltpraktiken ausgestellt.

Das FSC-Siegel dient als Gütesiegel für gutes Wirtschaften, das an Firmen und Waldbewirtschafter ausgestellt wird, die als wert befunden werden, dass sie einer Reihe von Standards der Waldbewirtschaftung nachkommen. Ohne irgendwelche formellen nationalen und internationalen gesetzlichen Standards, wird das FSC-Siegel weitgehend als eine der besten unabhängigen Bewertungen der Umweltpraktiken eines Unternehmens angesehen.

Weniger bekannt ist Gibsons langjähriger Brauch, großzügiger Spenden an die Rainforest Alliance.

Einer Steuerprüfung zufolge, befand sich die Rainforest Alliance unter den größten Empfängern der karitativen Aufwendungen von Gibson: sie erhielt jedes Jahr zwischen 315.000 und 390.000 US-Dollar in bar und Sachspenden von wertvollen Gitarren für das jährliche Galadinner der Organisation, während die Rainforest Alliance Gibson regelmäßig im Rahmen der Zertifizierung, prüfte.

Richard Donovan zufolge, dem Vizepräsidenten der Gruppe, berechnet der Zertifizierer Gibson und anderen Unternehmen jährliche FSC-Gebühren in Höhe von 2.500 bis 7.500 US-Dollar.

Führungskräfte der Rainforest Alliance sagen, dass es keinen Interessenkonflikt gebe. Die Rainforest Alliance sei darum besorgt, ihre FSC-Untersuchungen und ihre Überprüfung von Holzlieferungen vom Rest der Umweltarbeit der Organisation getrennt und unversehrt von unangemessenem Einfluss zu halten, so Donovan.

“Eines der Dinge, die wir sehr sorgfältig bei unserer Prüfungspolitik gemacht haben, ist es, sicherzustellen, dass es Trennwände zwischen (FSC) Prüfern und allen anderen Rainforest Alliance-Büros gibt,” sagte er.

Die Rainforest Alliance habe dennoch entschieden, keine Spenden mehr von Gibson zu ihrer jährlichen Spendengala zu akzeptieren, vorbehaltlich dem Ergebnis der Bundesuntersuchungen, sagte Donovan. Die Spenden betrugen gemäß vom Unternehmen bereitgestellten Zahlen in diesem Jahr bisher 50.000 US-Dollar.

Die Gruppe wird weiterhin andere Beiträge für Tätigkeiten in Entwicklungsländern (170.000 US-Dollar im Jahr 2010) und für “Ausgaben, die in Verbindung zur Beratung über nachhaltige Holzbeschaffung stehen” und die in diesem Jahr bislang 150.000 US-Dollar betrugen, annehmen, sagte Donovan.

Trotzdem sagte Donovan, dass die Rainforest Alliance in den letzten Wochen Gibson dazu aufgefordert habe, “wesentliche korrigierende Maßnahmen zu” ergreifen, um seine FSC-Akkreditierung zu behalten, nach dem, was er eine falsche Darstellung von Seiten des Geschäftsführers Juszkiewicz nannte, die das Ausmaß der Aufsicht von FSC über das während der Razzia im August beschlagnahmte Holz übertrieb.

Inzwischen fahren andere Umweltgruppen darin fort, Juszkiewicz zu kritisieren, weil er ungerechterweise die öffentliche Meinung gegen die Rechtsvorschriften des Lacey Acts, die den Import illegal gefällten Holzes verbietet, anheize. Gegen Gibson wird wegen möglicher Verletzung dieses Gesetzes ermittelt.

“Dies wurde auf eine irrationale Weise politisiert, auf eine fast surreale Weise, und in eine Botschaft über Arbeitsplätze verbogen,” sagt Andrea Johnson, Leiterin der Waldkampagnen bei der gemeinnützigen Environmental Investigation Agency (EIA).

Johnsons Organistion hat sich öffentlich gegen Juszkiewicz gewehrt, der nahezu konstant in konservativen Talk- und Fernsehsendungen präsent ist, seitdem Bundesbehörden in Räumlichkeiten des Gitarrenherstellers am 24. August eine Razzia durchgeführt und Holz, Gitarren, Computerfestplatten und Dokumente beschlagnahmt haben.

So war es nicht immer. Einst hatten Umweltschützer und Gitarrenhersteller eine Allianz geschmiedet, die die Umweltaschützer ein Modell für verantwortliche Unternehmen in der Holzindustrie nannten.

Wieso Holz wichtig ist

Gitarrenenthusiasten schwören, dass sie einen Unterschied hören zwischen der Qualität und der Klangfarbe der Musik einer Gitarre, deren Hals aus honduranischem Ebenholz gefertigt ist, und einer Gitarre, deren Hals aus in Madagaskar gefällten Palisanders gefertigt ist.

Jahrhundertelange Instrumentenbautradition hat zu bestimmten Normen über die Quelle von Holz für die wertvollsten Gitarren geführt. Sitkafichte ist beispielsweise am besten als Decke geeignet, sagt Joe Glaser, ein in Nashville ansässiger Geigenbauer.

Mahagoni und Ebenholz werden oft als Holz für den Gitarrenrücken gewählt.

Für das Griffbrett – die Überlagerung des Gitarrenhalses, wo die Finger auf die Saiten für die Noten Druck ausüben – erwarten die Spieler Ebenholz, ein äußerst dichtes Holz, das nicht durch den ständigen Druck der Finger abgenutzt wird.

Doch Quellen für solche Hölzer sind immer schwieriger zu finden.

Bis 2006, als Umweltgruppen, darunter Greenpeace, ihre ersten Vorschläge an die wichtigsten US-amerikanischen Gitarrenhersteller machten, hatten traditionelle Quellen einiger dieser Hölzer schon begonnen auszutrocknen.

Brasilianischer Palisander, geschätzt für Seiten, war auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt worden und sein Import war illegal.

Adirondack-Sitka-Fichten waren fast ausgerottet, um die Hersteller von Möbeln im Adirondackstil zu beliefern. Die kanadische Regierung sperrte die Sitkafichtenwälder für Holzfäller. Und Umweltschützer suchten nach Daten, die belegten, dass die Rate der Sitkafichtenabholzung im Landzipfel Alaskas die Wälder und die Holzbelieferung dezimieren würde, wenn sie nicht verantwortlich verwaltet würde.

Als Greenpeace an die größten Gitarrenhersteller der Nation mit einer Einladung zu einer Fahrt nach Alaska herantrat, um die Interessen amerikanischer Ureinwohner hinsichtlich der Abholzung kennenzulernen, akzeptierten die meisten. Zusätzlich zu Gibson ludt die Aktivistengruppe die anderen langjährigen Gitarrenhersteller der Vereinigten Staaten ein – Fender, Taylor und Martin.

Konfrontiert mit kahlgeschlagenen Wäldern und Daten über Raubbauraten, schienen die Gitarrenmanager alarmiert durch das, was sie sahen, sagte Scott Paul, Leiter der Waldprojekte bei Greenpeace.

Diese Episode schuf den Anfang einer Arbeitskoalition zwischen Umweltschützern und den Herstellern von Musikinstrumenten, um das langfristige Angebot von altbestehenden Wäldern sicherzustellen, um sowohl die Interessen der Industrie und des Umweltschutzes zufrieden zu stellen.

Tatsächlich wurde das Modell als so erfolgreich angesehen, dass zwei Jahre später eine in der Schweiz ansässige internationale Gruppe – besorgt über illegalen Holzabbau in Afrika – eine Forschungsreise nach Madagaskar –einem Inselstaat vor der Küste des südlichen Afrika - organisierte

Der Tropical Forest Trust (TFT) nahm Vertreter von den selben Gitarrenunternehmen (Fender war dieses Mal nicht vertreten) mit auf eine zweiwöchige Reise.

Madagaskar war ein Mekka für Klanghölzer, mit altbeständigen Palisander und Ebenholz verstreut über Wäldern im Land.

Es war auch Ort kritischer Sorgen für Umweltschützer. Es ist einer der Plätze mit der höchsten Biodiversität weltweit, mit zahlreichen einzigartigen Spezien, die nirgendwo sonst auf der Erde existieren.

Die Gitarrenhersteller wurden auf Fahrten vorbei an illegalen Abholzungsoperationen mitgenommen, in Wäldern, die geschützte nationale Wälder hätten sein sollen. Sie wurden mit dem Leben in Armut der Inselbewohner konfrontiert, die kaum einen Vorteil von der illegalen Abholzung hatten.

Kurze Zeit nach der Reise vergällte ein Militärputsch in Madagaskar es einigen Gitarrenherstellern, dort Geschäfte zu machen.

Chris Martin, CEO von C. F. Martin Guitars, sagte, dass sein Unternehmen den Import von Holz aus Madagaskar unmittelbar stoppte.

Bob Taylor, CEO von Taylor Guitars, sagte, dass sein Unternehmen niemals Holz aus Madagaskar importiert habe und entschieden habe, nicht damit anzufangen.

Was er sah, war “verwüstetes Land und ein Gewirr von nationalen Gesetzen, das es unmöglich machte, herauszufinden, was legal und was illegal zu exportieren war, auch wenn es schien, dass die Menschen zum Äußersten entschlossen waren, uns dort zu haben,” sagte Taylor.

Gibson Guitars importierte, der Bundesklage gegen das Unternehmen zufolge, jedoch weiterhin aus dem Land.

Dann im November 2009, ein Jahr nach der Madagaskar-Reise, führten Vertreter des U. S. Fish and Wildlife Service in Gibsons Fabriken in Nashville eine Razzia durch und beschlagnahmten Paletten mit Ebenholz aus Madagaskar auf den Verdacht hin, dass Gibson gegen den Lacey Act verstoßen habe.

In Akten des Bundesgerichtes haben US-amerikanische Anwälte seit der Beschlagnahmung E-Mails von Gene Nix, Angestellter bei Gibson, der an der TFT-Reise teilnahm, als Beweis dafür hinterlegt, dass das Unternehmen von der illegalen Entnahme des Holzes wusste.

“Die genaue Ebenholzart, die Gibson Musical Instruments bevorzugt, findet man nur in Madagaskar,” schrieb Nix kurz nach seiner Reise.

“Dies ist eine langsam wachsende Baumart mit nur sehr wenig Erhaltungsschutz und man betrachtet das Angebot aufgrund von Raubbau als äußerst bedroht in seiner ursprünglichen Umwelt ... Jeder legale Export von Nutzholz und Holz ist VERBOTEN wegen der weitverbreiteten Korruption und des Diebstahls wertvollen Holzes wie Palisander und Ebenholz”, sagte die E-Mail.

Jedoch, schrieb Nix, ein chinesischer Holzhändler, der in Madagaskar lebt, Roger Thunam, könnte dazu in der Lage sein, zu helfen, Holz für den “grauen Markt” zu beschaffen, ein Satz, der den Aussagen von Bundesermittlern in Gerichtsprotokollen zufolge bedeutet, dass das Material verboten war.

“Mr. Thunam sollte andererseits dazu in der Lage sein, Nagel (Gibsons deutschen Mittelsmann) mit dem gesamten Palisander und Ebenholz für den grauen Markt zu versorgen,” sagte Nix.

Thunam wurde in unabhängigen Berichten des National Geographic Magazins und der internationalen Organisationen Global Witness und Environmental Investigation Agency (EIA) als an fragwürdigen Holzfällpraktiken beteiligt hervorgehoben. Der US-amerikanischen Klage gegen Gibson zufolge handelte Thunams Geschäft “fast ausschließlich mit Schnitt- oder Rundholz, deren Export aus Madagaskar mindestens ab 2006 illegal war.”

Gibson leugnet jedes Fehlverhalten und seine Anwälte sagen, dass die E-Mails von Nix aus dem Kontext gerissen seien. Keine strafrechtlichen Anklagepunkte sind als Ergebnis der Razzia von 2009 oder in dem Augustfall eingereicht worden.

“Wir alle tragen Verantwortung”

Während Gibson unter dem prüfenden Blick des Bundes bleibt – es ist der einzige amerikanische Gitarrenhersteller, der gegenwärtig das Ziel von Untersuchungen in Bezug auf den Lacey Act ist – geht die Suche nach den am besten klingenden Hölzern weiter.

Bob Taylor von Taylor Guitars sagte, dass sein Unternehmen hofft, in kurzer Zeit ein neues nachhaltiges Waldprojekt in Afrika bekanntgeben zu können, aber er konnte in der letzten Woche keine neuen Details anbieten.

Es könnte bald mehr Neuigkeiten über den Abschluss mit den Fidschiinseln geben, sagte Ed James, Sprecher von Gibson.

Die Herausforderung für amerikanische Gitrarrenhersteller liege in der Tatsache, dass die wertvollsten Arten für Gitarren oft an den politisch instabilsten Orten wachsen, was den Unternehmen kaum eine Option lasse, als den besten Abschluss zu machen, den sie machen können, sagte Taylor.

“Wir sind keine Umweltschützer, Abgeordnete oder Forstexperten,” sagte Taylor. “Wir sind nur Gitarrenhersteller, die nun mehr in ihren Quellen mitmischen müssen.”

Währeddessen schätzen Musiker weiterhin Spitzengitarren, die aus importierten Harthölzern gefertigt sind.

Der britische Sänger James Blunt sagte, er glaube, diese Gitarren könnten dennoch nicht auf Kosten der Umwelt gefertigt werden. Er stellte einen Clip zur Unterstützung des Unternehmens auf die Facebookseite von Gibson Guitars und sagte: “Sie machen nicht nur hervorragende Gitarren, sondern auf sie machen sie auch umweltfreundlich aus nachhaltigen Hölzern, die durch den Forest Stewartship Council zertifiziert sind.”

Einige Umweltaktivisten sagen, dass sie Verständnis für die Herausforderungen der Gitarrenhersteller haben, da sie nach Hölzern suchen, die die Musiker nachfragen.

“Während jeder mit den Fingern auf Gibson als den zwielichtigen Kerlen zeigen kann, ist die Frage, warum jeder dieses Zeug kauft?” sagte Poynton vom Tropical Forest Trust. “Wir alle tragen Verantwortung. Musiker tragen Verantwortung.”

Übersetzung: Pro REGENWALD, Luci Billeter

Kommentare

# Saitenzauberer am 02.11.2011, 17:04

Ich werd meine Les Paul jetzt zwar nicht verheizen, aber in Zukunft sicher mit anderen Augen betrachten... leider

Von Gibson kommt mir so schnell keine Gitarre mehr ins Haus. Wollte mir eigentlich demnächst eine SG Standard kaufen, aber dieses Stück ILLEGALE Mahaghoni kann sich die Firma Gibson samt Tonabnehmern und Saiten sonst wohin stecken.

Ich bau mir meine Gitarren in Zukunft selbst und such mir auch das Holz dazu selbst aus. Bin gerade dabei einen ersten Versuch zu starten.

Interessierten kann ich empfehlen:
\"E- Gitarrenbau. Eine Selbstbauanleitung\" von Martin Koch
und www.espen.de

Wobei natürlich zu hoffen bleibt, dass der Zertifizierer der von Espen vertriebenen FSC-Tropenhölzer keine krummen Dinger dreht... am Besten keine exotischen Hölzer, sondern regionale Hölzer verwenden! Nussholz klingt zB für Bässe auch perfekt!

# GeheimerGitarrenGott am 14.11.2011, 23:28

Habe seit den frühen 80er Jahren einige Gitarren gebaut oder modifiziert. Es gibt sowohl für akustische als auch für Solidbodies bestens geeignete einheimische Hölzer. Es ist allerdings schwierig und nicht gerade billig, wirklich geeignete Hölzer zu bekommen, sowohl was den Schnitt der Rohbohlen aus dem Stamm, die entsprechenden splint- und astfreien Größen, enge Maserungen aus langsam gewachsenen Nadelhölzern oder schöne, wohlklingende Harthölzer und vor allem nicht Trockenkammer-, sondern wirklich unter guten Bedingungen lange genug gelagertes Holz zu bekommen. Mit einigem Suchen, Sachverstand -und Geld in der Hand- ist das aber durchaus möglich, wenn auch leider viel schlechte Qualität zu sehen ist und es wegen der hiesigen Waldbewirtschaftungsweise kaum möglich ist, Holz z.B. alter und gut gewachsener Fichten für Decken zu finden (es MUSS nicht Sitka sein!). Ein Problem ist es allerdings, Holz für Griffbretter zu finden, es gibt eigentlich nichts, was in der Beständigkeit mit Ebenholz mithalten kann, da muss man evntuell Abstriche machen. Klanglich jedenfalls gibt es durchaus europäische und auch heimische Alternativen zu Tropenhölzern. Auch Gibson schmückt seine Gitarren gerne mal mit Vogelaugenahorndecken und ähnlichem!

# Enttäuschter Gibson Fan am 02.03.2012, 17:23

Boff, so lässt man sich auch als Tropenwaldfreund täuschen! Ich dachte mal Gibson meint es ernst mit dem Regenwaldschutz. Die legendäre Smartwood Exotic Serie schien vernünftig zu sein. Tropenholz aus streng überwachten kommunalen nachhaltigen Quellen in Honduras. So habe ich mit um 2001 eine Smartwood Les Paul gekauft.
Und dann war alles nur greenwashing einer profitgierigen Firma, die sich noch nicht mal zu schade ist die erzreaktionäre Tea-Party-Bewegung einzuspannen um die Urwaldschutzgesetze zu torpedieren, gegen die Gibson verstoßen hat. Gibson ist einfach nur noch abstoßend! Schade um die schöne Legende von Gibson, um die vielversprechenden Ansätze.
Gibson? - garantiert nie wieder!

# T-Bird Fan am 14.08.2012, 18:53

Es gilt schlicht die Verursacherkette zu unterbrechen. Für jedes neu gekaufte Edelholzinstrument werden wieder Arbeiter mit Kettensägen in den Wald gehen, weil es sich ja lohnt. Es stehen tausende gute gebrauchte Instrumente von privat bereit, die diese Abhängigkeit unterbrechen. Und wenn schon neu, sollte man evtl. als "schnöder Feierabendmusiker" (wer ist man auch sonst ?) nicht so wählerisch sein. Es gibt z.B die begehrten Thunderbird-, SG- und Paulamodelle auch von anderen Hersllern aus weniger bedrohten Holzarten wie Ahorn, Pappel, Erle oder Linde und die klingen über die richtige Anlage gespielt mindestens genauso gut. Sogar Gibson selbst bietet eine Paula komplett aus Ahorn an. Gibson selbst war mit einer Modellreihe schon dabei auf andere Hölzer umzusteigen, leider haben dies zu wenige Käufer angenommen. Sprecht die Problematik unter uns Musikern an und postet konstruktiv und ohne anzumachen auf den einschlägigen Seiten. Am Anfang wird sich nur langsam etwas bewegen, aber wenn eine gewisse Akzeptanz unter den Käufern entsteht werden auch die Gitarrenbauer ihr Verhalten ändern. Die wollen nur ihre Geschäfte machen (für mich völlig verständlich und OK !) und es liegt an uns sie dahin zu beeinflussen, dass sie durch unser Verhalten die Umwelt schonen. Gibson reagiert nur auf das wonach der Markt verlangt und der Markt sind im Grunde wir mit unserem Kaufverhalten.

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