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EU droht Polen wegen Abholzung im Urwald BialowiezaStichwörter: Biodiversität Waldschutz Politik

Die EU-Kommission hat der polnischen Regierung mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, sollte die Abholzung im unter Naturschutz stehenden Waldgebiet Bialowieza nicht gestoppt werden.

In einer "letzten Mahnung" vergangenen Donnerstag kritisierte die EU-Kommission eine im März beschlossene Verdreifachung des Holzeinschlags als "gravierende irreparable Schädigung", da teilweise mehrere hundert Jahre alte Bäume in Bialowieza gefällt werden sollen.

Bialowieza erstreckt sich über 150.000 Hektar in Polen und Weißrussland. Ein Großteil des Waldes gilt als nahezu unberührt von menschlichem Einfluß. Um diese Einzigartigkeit in Europa und die Artenvielfalt mit rund 20.000 Arten zu erhalten, stehen große Teile Bialowiezas unter Schutz. Die polnische Regierung verstößt also gegen Schutzstatuten und gesetzlich Bestimmungen zum Schutz des Waldes (a href="http://sustainability.thomsonreuters.com/2017/04/27/eu-steps-up-legal-action-vs-poland-over-logging-of-primeval-forest/" target="newsF">EU steps up legal action vs Poland over logging of primeval forest).

Das Motiv ist die Bekämpfung des Borkenkäfers, der sich immer weiter ausbreite und den Wald gefährde. Dass dieses Argument nur vorgeschoben - und für einen naturbelassenen Wald irrelevant - ist, bestätigte die Regierung vergangenes Jahr mehr oder weniger selbst, als sie den Vorgängerregierungen vorwarf, durch den Schutz des Waldes Geld zu verschwenden. Schließlich könne ja seither nicht mehr abgeholzt werden.

Sorge um Polens Urwald
Wisente streifen frei herum, ebenso Luchse, Elche, Wölfe: Der Bialowieza in Polen ist ein nahezu unberührtes Stück Wildnis in Europa. Doch Polens Regierung schielt auf das wertvolle Holz.
* Sonntag, 22.05.2016

Jahrhundertealte Eichen, mächtige Fichten, majestätische Eschen, Linden und Hainbuchen stehen im Bialowieza-Wald. Unter ihren Kronen wimmelt es von Leben - Zehntausende Arten von Käfern, Würmern, Schnecken und anderen wirbellosen Tieren, unzählige Pilze, Hunderte Vogelarten haben hier ebenso ihre Heimat wie Wisent, Wolf und Elch.

Stirbt einer der mächtigen alten Bäume, ist das keineswegs das Ende der Geschichte. Sein Holz bietet der Vielfalt von Pilzen und Insekten Nahrung. Vögel finden in Höhlen im verrottenden Holz geschützte Nistplätze und Nahrung. Der tote Baum lässt neues Leben sprießen.

Holz ist allerdings auch ein wertvoller Rohstoff.

Die polnische Regierung plant, in einigen Gebieten des Bialowieza Holz zu schlagen, Naturschützer protestieren. Der urtümliche Wald, der zum Teil in Polen, zum Teil in Weißrussland liegt, zählt zum Weltnaturerbe und genießt zudem als "Natura 2000"-Gebiet besonderen Schutz.

Sieben Umweltschutzorganisationen, darunter der WWF und Greenpeace, haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde eingereicht, um das Holzfällen zu verhindern. Von EU-Seite aus heißt es, man arbeite mit den polnischen Behörden zusammen, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen in Einklang mit den "Natura 2000"-Richtlinien stehen. Das Ergebnis stehe jedoch noch nicht fest.

Die polnische Regierung argumentiert, dass ihre Vorgänger den Staat um viel Geld gebracht hätten, weil sie sich auf strikte Richtlinien hinsichtlich des Holzschlags eingelassen haben. Der polnische Umweltminister sagte gar, es sei ein Fehler gewesen, den Wald als Weltnaturerbe auszeichnen zu lassen, weil das internationale Aufsicht nach sich gezogen hätte.

Rund die Hälfte des Bialowieza gilt als weitgehend unberührt: Diese Gebiete wurden seit der Entstehung des Waldes vor rund 8000 bis 9000 Jahren kaum vom Menschen beeinflusst.

Auf der polnischen Seite stehen rund 35 Prozent des Waldes unter strengem Schutz. Diese Bereiche will die Regierung nicht angehen. Holz solle nur in den Gebieten gefällt werden, in denen dies auch in der Vergangenheit schon passiert sei. Die Umweltschützer argumentieren dagegen, die Pläne seien so weitgehend, dass sie schlussendlich auch die unberührten Teile des Waldes in Mitleidenschaft ziehen werden.

Geht es darum, den Borkenkäfer zu stoppen?

Das polnische Umweltministerium gibt an, das Fällen der Bäume sei ohnehin notwendig, um den Vormarsch des Buchdruckers, eines Borkenkäfers, zu stoppen. Seit 2013 hat das Insekt rund zehn Prozent der Fichten getötet, was drei Prozent der gesamten Baummenge entspricht.

Wissenschaftler halten dies jedoch für ein vorgeschobenes Argument, um wirtschaftliche Interessen zu kaschieren. Kürzlich sagte Jörg Müller, Forschungsleiter im Nationalpark Bayerischer Wald, im SPIEGEL, der Buchdrucker gehöre zum Naturwald. "In unserem Nationalpark haben wir gelernt, dass der Buchdrucker als Ingenieur des Zerfalls neue Lebensräume schafft." Es wäre Unsinn, die Bäume zu fällen.

Der Tod der Fichten schaffe Raum für neue Bäume, andere Arten, die besser an ein wärmeres, trockeneres Klima angepasst sind, sagen andere Forscher, die gegen die Pläne der Regierung protestieren. Zudem müsste man 80 Prozent der von Borkenkäfern befallenen Bäume fällen, um den Ausbruch einzudämmen, was logistisch unmöglich sei.

"Der Wald wurde über Jahrtausende von der Natur geformt", sagt etwa Rafal Kowalczyk von der polnischen Akademie der Wissenschaften. "Er ist einzigartig und sollte nicht in einen Nutzwald verwandelt werden. Dieses Überbleibsel alter Wälder mit seiner großen Artenvielfalt zeigt uns, wie Wälder vor Hunderten, sogar Tausenden Jahren aussahen."

spiegel.de: Bialowieza, Sorge um Polens Urwald

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